Plastik auf unserer Haut: Synthetische Kleidung, Biophotonen und unsere Urfrequenz

Wir haben Natürlichkeit gegen Kunststoff, Reizüberflutung und künstliche Lebenswelten eingetauscht – höchste Zeit, Körper, Geist und Seele wieder an ihre ursprüngliche Ordnung zu erinnern.

Wir leben in einer Zeit, in der der Mensch nahezu alles hinterfragt – nur erstaunlich selten jene Dinge, die ihm am nächsten kommen. Wir diskutieren über Pestizide in Lebensmitteln, Mikroplastik in den Meeren, Schadstoffe in der Luft und chemische Rückstände im Trinkwasser, während wir gleichzeitig acht, zehn oder zwölf Stunden am Tag Kleidungsstücke unmittelbar auf unserer Haut tragen, deren Grundmaterial teilweise nichts anderes als Kunststoff ist. Polyester, Polyamid, Acryl und Elastan sind zu selbstverständlichen Bestandteilen unseres Alltags geworden. Selbst Kleidungsstücke, die auf den ersten Blick wie klassische Baumwollprodukte erscheinen, bestehen inzwischen häufig aus Mischgeweben. Hinzu kommen Farbstoffe, Ausrüstungschemikalien und unterschiedliche Verfahren der Textilveredelung. Aus etwas so Ursprünglichem wie Kleidung ist damit längst ein hochindustrialisiertes Produkt geworden.

Das bedeutet nicht, daß ein Pullover aus Polyester automatisch krank macht oder daß jede Kunstfaser als Gift bezeichnet werden kann. Eine derart pauschale Behauptung wäre unseriös. Ebenso unseriös wäre allerdings die gegenteilige Haltung, nach der das Material unserer Kleidung für den menschlichen Organismus grundsätzlich keinerlei Bedeutung besitzen könne. Kleidung bildet über viele Stunden unsere unmittelbare Umgebung. Sie beeinflußt Wärme- und Feuchtigkeitsregulation, Reibung, Hautklima und elektrostatische Eigenschaften. Darüber hinaus beschäftigt sich die Forschung längst mit chemischen Substanzen, die in Textilien vorkommen können, sowie mit der Freisetzung synthetischer Mikrofasern. Wer sich deshalb fragt, ob die permanente Nähe künstlicher Materialien zum Körper überhaupt noch unserer ursprünglichen Lebensweise entspricht, stellt keine abwegige Frage, sondern eine, die angesichts unserer vollständig industrialisierten Umwelt längst hätte selbstverständlich werden müssen.

Besonders deutlich wird dies beim Thema Mikrofasern. Synthetische Textilien verlieren winzige Fasern nicht ausschließlich beim Waschen. Auch während des Tragens und der alltäglichen mechanischen Beanspruchung können Fasern freigesetzt werden und Bestandteil des Hausstaubes beziehungsweise der Innenraumluft werden. Die Forschung untersucht seit Jahren, über welche Wege Mikro- und Nanoplastik in den menschlichen Organismus gelangen können und welche biologische Bedeutung daraus langfristig entsteht. Viele Einzelheiten sind noch nicht abschließend geklärt. Gerade deshalb wäre es falsch, aus bestehenden Wissenslücken eine Entwarnung abzuleiten. Wissenschaftliche Vorsorge bedeutet nicht, Angst vor jedem Kunststoffteil zu entwickeln, sondern vermeidbare Belastungen dort zu reduzieren, wo vernünftige Alternativen vorhanden sind.

Dasselbe gilt für chemische Stoffe, die bei Herstellung und Veredelung von Textilien eingesetzt werden können. Je nach Produkt und Herstellungsverfahren kommen unterschiedliche Farbstoffe, Beschichtungen, wasser- oder schmutzabweisende Ausrüstungen und weitere Hilfsstoffe in Betracht. Bestimmte Phthalate, PFAS-Verbindungen, Formaldehyd oder andere problematische Substanzen sind deshalb Gegenstand regulatorischer und toxikologischer Untersuchungen. Daraus läßt sich keineswegs ableiten, daß jedes Kleidungsstück diese Stoffe in gefährlicher Konzentration enthält. Es zeigt jedoch, wie weit wir uns von der Vorstellung entfernt haben, ein Kleidungsstück bestehe einfach nur aus einem Stück Stoff.

Die zweite Haut des Menschen verdient wieder Aufmerksamkeit

Unsere Vorfahren verfügten über eine wesentlich kleinere Auswahl an Materialien, doch diese stammten unmittelbar aus der natürlichen Umwelt. Wolle, Leinen, Hanf und später Baumwolle begleiteten den Menschen über lange Zeiträume. Natürlich war auch historische Kleidung nicht automatisch gesund, schadstofffrei oder romantisch ideal. Der entscheidende Unterschied besteht vielmehr darin, daß wir heute erstmals in einer Zivilisation leben, in der Kunststoffe in nahezu jeden Bereich des täglichen Lebens vorgedrungen sind. Wir essen aus Kunststoff, trinken aus Kunststoff, schlafen zwischen synthetischen Fasern, sitzen auf Kunststoffpolstern und tragen Kunststoff unmittelbar auf unserem Körper.

Die Rückbesinnung auf Naturfasern ist deshalb für mich keine nostalgische Modeerscheinung. Sie ist Bestandteil einer grundsätzlich anderen Haltung gegenüber dem eigenen Körper. Ein gutes Kleidungsstück muß nicht aus zwanzig funktionalen Materialien bestehen. Leinen besitzt hervorragende Eigenschaften bei Wärme und Feuchtigkeit, Wolle kann Temperatur und Feuchtigkeit erstaunlich gut regulieren, Hanf ist robust und langlebig, und hochwertige Baumwolle kann angenehm und unkompliziert getragen werden. Nicht jede Naturfaser eignet sich für jeden Zweck und auch Naturmaterialien können chemisch stark behandelt worden sein. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf Herkunft, Verarbeitung, Färbung und Zertifizierung mindestens ebenso wie auf die reine Faserangabe.

Gerade darin liegt ein Prinzip, das weit über Kleidung hinausgeht: Wir müssen wieder lernen, die Dinge einfacher zu betrachten. Nicht jedes Problem benötigt eine technische Gegeninnovation. Oft besteht die vernünftigste Lösung darin, einen Schritt zurückzugehen und sich zu fragen, wie der Mensch jahrhundertelang mit einer Sache umgegangen ist, bevor Industrie und Marketing aus einem einfachen Bedürfnis einen komplexen Markt geschaffen haben.

Der eigentliche Verlust reicht jedoch wesentlich tiefer

Wer lediglich Polyester gegen Leinen austauscht und glaubt, damit zur Natürlichkeit zurückgefunden zu haben, greift zu kurz. Die synthetische Kleidung ist lediglich ein sichtbares Symbol einer wesentlich umfassenderen Entwicklung. Der moderne Mensch hat seine gesamte Lebensumgebung verändert. Er verbringt einen großen Teil seines Tages in geschlossenen Räumen, bewegt sich wesentlich weniger als frühere Generationen, erlebt natürliche Hell-Dunkel-Wechsel eingeschränkt, ist einer nahezu ununterbrochenen Informationsflut ausgesetzt und konsumiert Lebensmittel, deren Zutatenlisten teilweise mehr an industrielle Rezepturen als an Nahrung erinnern.

Unser Organismus ist jedoch nicht innerhalb weniger Generationen zu einem anderen Wesen geworden. Er besitzt weiterhin biologische Rhythmen, reagiert auf Tageslicht, benötigt Bewegung, verarbeitet Nahrung nach uralten Stoffwechselprinzipien und reagiert körperlich auf psychischen Streß. Wir können unsere Umwelt innerhalb weniger Jahrzehnte vollständig verändern; unsere biologische Grundausstattung folgt diesem Tempo nicht.

Hier beginnt für mich die eigentliche Frage nach unserer Urfrequenz. Ich verwende diesen Begriff bewußt nicht als angeblich exakt meßbare physikalische Frequenz des Menschen. Dafür gibt es keine wissenschaftliche Grundlage. Urfrequenz bezeichnet vielmehr jene ursprüngliche Ordnung, in der Körper, Geist und natürliche Umwelt nicht ständig gegeneinander arbeiten. Sie beschreibt einen Zustand, in dem wir wieder stärker nach den Bedingungen leben, unter denen sich menschliches Leben entwickelt hat.

Und an dieser Stelle wird ein Forschungsgebiet interessant, das häufig entweder übertrieben mystifiziert oder vorschnell belächelt wird: die sogenannten Biophotonen.

Der menschliche Körper sendet tatsächlich Licht aus

Lebende Organismen geben extrem schwache Photonenemissionen ab. In der wissenschaftlichen Literatur wird überwiegend von „Ultra-Weak Photon Emission“, kurz UPE, gesprochen; der populärere Begriff lautet Biophotonen. Diese Lichtemission ist so schwach, daß das menschliche Auge sie nicht wahrnehmen kann und empfindliche Meßtechnik erforderlich ist. Dennoch handelt es sich um ein reales biologisches Phänomen.

Nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung stehen diese Emissionen insbesondere mit Stoffwechsel- und Oxidationsprozessen in Verbindung. Bei bestimmten chemischen Reaktionen entstehen angeregte molekulare Zustände. Wenn diese Moleküle wieder in einen energetisch niedrigeren Zustand zurückkehren, kann Energie in Form eines Photons freigesetzt werden. Mitochondrien, reaktive Sauerstoffspezies, Lipidoxidation und weitere Prozesse des Zellstoffwechsels spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.

Damit muß allerdings ein verbreitetes Mißverständnis korrigiert werden: Eine höhere Photonenemission bedeutet nicht automatisch mehr Gesundheit oder eine höhere spirituelle Entwicklung. Unter bestimmten Bedingungen kann eine verstärkte ultra-schwache Photonenemission sogar Ausdruck erhöhten oxidativen Stresses sein. Gerade diese Tatsache macht das Forschungsgebiet interessanter, denn sie zeigt, daß wir es mit einem biologischen Signal zu tun haben, dessen Bedeutung vom jeweiligen physiologischen Zusammenhang abhängt.

Noch spannender wird die Frage, ob solche Photonen über ihre Entstehung als Nebenprodukt biochemischer Prozesse hinaus eine funktionelle Bedeutung besitzen. Verschiedene Forscher haben Hypothesen über mögliche Rollen bei biologischer Kommunikation entwickelt. Hier befindet man sich jedoch auf einem deutlich unsichereren wissenschaftlichen Boden. Daß biologische Systeme extrem schwache Lichtemissionen erzeugen, ist meßbar. Welche umfassende Funktion diese Emissionen innerhalb oder zwischen Zellen besitzen, ist dagegen nicht abschließend geklärt.

Genau an dieser Grenze dürfen Wissenschaft und Spiritualität nebeneinander bestehen, solange wir nicht das eine als Beweis für das andere ausgeben. Die Wissenschaft kann untersuchen, welche Photonen entstehen, unter welchen Bedingungen ihre Intensität verändert wird und mit welchen Stoffwechselvorgängen sie zusammenhängen. Die spirituelle Betrachtung stellt anschließend eine andere Frage: Was bedeutet es für unser Menschenbild, daß ein lebender Organismus eben nicht nur aus der sichtbaren Materie besteht, die wir anfassen können, sondern ein unvorstellbar komplexes Zusammenspiel elektrischer, chemischer, thermischer und elektromagnetischer Vorgänge darstellt?

Alte Kulturen kannten keine Photomultiplier und keine moderne Molekularbiologie. Dennoch taucht das innere Licht des Menschen in vollkommen unterschiedlichen religiösen und spirituellen Traditionen immer wieder als Bild für Lebenskraft, Erkenntnis, Reinheit und geistige Verbundenheit auf. Daraus folgt kein naturwissenschaftlicher Beweis für ein „göttliches Licht“. Aber es eröffnet einen faszinierenden Raum zwischen alter menschlicher Wahrnehmung und moderner naturwissenschaftlicher Beobachtung.

Zurück zur Urfrequenz bedeutet vor allem, künstliche Überlagerungen zu reduzieren

Wir haben uns daran gewöhnt, Gesundheit beinahe ausschließlich durch das Hinzufügen von Dingen zu betrachten. Noch ein Präparat, noch ein Pulver, noch eine Anwendung, noch eine Therapie, noch eine technische Lösung. Doch eine Rückkehr zu unserer natürlichen Ordnung beginnt häufig mit dem Gegenteil: mit Reduktion.

Das gilt auch für den häufig verwendeten Begriff der Entgiftung. Der menschliche Körper besitzt eigene hochentwickelte Systeme, um Stoffwechselprodukte und zahlreiche körperfremde Substanzen umzuwandeln und auszuscheiden. Leber und Nieren spielen hierbei zentrale Rollen, ebenso Darm, Lunge und weitere physiologische Mechanismen. Seriöse Unterstützung dieser Prozesse bedeutet deshalb nicht, dem Körper mit irgendeiner aggressiven „Detox-Kur“ etwas aufzuzwingen. Viel sinnvoller ist es, vermeidbare Belastungen zu verringern und gleichzeitig jene Voraussetzungen zu schaffen, unter denen die körpereigenen Regulations- und Ausscheidungsprozesse zuverlässig arbeiten können.

Dazu gehören eine möglichst unverarbeitete und nährstoffreiche Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Ballaststoffe, regelmäßige Bewegung, ausreichender Schlaf und ein vernünftiger Umgang mit Alkohol und anderen vermeidbaren Belastungen. Ebenso gehört für mich dazu, Produkte des täglichen Lebens kritisch zu betrachten. Wenn ich bei Kleidung zwischen einem stark synthetischen Mischgewebe und einer gut verarbeiteten Naturfaser wählen kann, muß daraus keine Wissenschaft werden. Ich kann schlicht die natürlichere Alternative bevorzugen.

Dasselbe Prinzip läßt sich auf viele Lebensbereiche übertragen. Wir müssen nicht jeden Morgen eine komplizierte Gesundheitsroutine absolvieren. Wir brauchen wieder echtes Tageslicht, Bewegung unter freiem Himmel, vernünftige Nahrung, einen stabilen Tag-Nacht-Rhythmus, Naturkontakt, menschliche Nähe und Zeiten, in denen unser Nervensystem nicht pausenlos mit neuen Reizen bombardiert wird. All diese Dinge wirken nicht deshalb, weil sie gerade als „Biohack“ vermarktet werden, sondern weil sie zu den grundlegenden Bedingungen menschlichen Lebens gehören.

Auch unser inneres Milieu entscheidet darüber, wie wir leben

Der moderne Mensch wird jedoch nicht ausschließlich durch Stoffe belastet. Er lebt zunehmend in einer psychischen Umwelt, die ebenfalls vollkommen künstliche Züge angenommen hat. Noch niemals zuvor konnte ein Mensch vom Aufwachen bis zum Einschlafen pausenlos mit Nachrichten, Konflikten, Werbung, Vergleichen, Empörung und den Meinungen Tausender fremder Menschen konfrontiert werden.

Unser Nervensystem ist dafür nicht geschaffen worden.

Ein Gedanke ist keine körperlose Nebensache. Gedanken können Emotionen auslösen, Emotionen verändern vegetative Reaktionen, und chronischer psychischer Streß wirkt auf hormonelle und immunologische Prozesse ebenso wie auf Schlaf, Verdauung und Verhalten. Wer seinen Geist permanent mit Angst, Haß, Neid, Konkurrenzdenken und Katastrophenszenarien füttert, lebt deshalb nicht lediglich in einer unangenehmen Gedankenwelt. Er hält seinen Organismus unter Umständen dauerhaft in einem Zustand erhöhter Alarmbereitschaft.

Umgekehrt sind Dankbarkeit, Zuneigung, Mitgefühl, Meditation, Musik, Naturerleben und echte soziale Verbundenheit keine bedeutungslosen romantischen Nebensächlichkeiten. Sie können das subjektive Wohlbefinden und die Streßregulation beeinflussen und damit sehr reale körperliche Prozesse berühren. Wir benötigen keine pseudowissenschaftliche Behauptung, daß Liebe eine bestimmte Anzahl von Biophotonen erzeuge, um anzuerkennen, daß ein Mensch, der sich sicher, verbunden und innerlich ausgeglichen fühlt, physiologisch in einem anderen Zustand lebt als jemand, der permanent unter Angst und Anspannung steht.

Genau hier erhält das alte Wort Ausstrahlung für mich eine tiefere Bedeutung. Jeder kennt Menschen, deren bloße Anwesenheit einen Raum verändert. Manche vermitteln Ruhe und Wärme, andere erzeugen Unbehagen oder Spannung. Ein Teil davon läßt sich durch Körpersprache, Mimik, Stimme, Geruch, Verhalten und psychologische Wahrnehmung erklären. Der spirituell empfindende Mensch nimmt darüber hinaus eine Ebene wahr, die er als Energie, Schwingung oder Präsenz beschreibt. Beides muß sich nicht gegenseitig bekämpfen. Die wissenschaftliche Beschreibung eines Phänomens nimmt der persönlichen oder spirituellen Erfahrung nicht automatisch ihren Wert.

Die Natur braucht keine Werbung, um richtig zu sein

Das vielleicht größte Problem unserer modernen Welt besteht darin, daß wir Natürlichkeit inzwischen als Alternative betrachten. Dabei ist es genau umgekehrt. Die Natur ist der Ausgangspunkt; das Künstliche ist die spätere Ergänzung.

Wir brauchen keine Rückkehr in eine romantisierte Vergangenheit und wir müssen moderne Medizin, Technik oder Wissenschaft nicht ablehnen. Fortschritt hat unzählige Verbesserungen hervorgebracht. Problematisch wird er dort, wo wir vergessen, daß Technik dem Menschen dienen sollte und nicht der Mensch sich vollständig einer künstlichen Lebenswelt anzupassen hat.

Wir dürfen deshalb wieder einfacher werden. Wir dürfen ein Kleidungsstück aus Leinen wählen, weil wir uns darin wohler fühlen. Wir dürfen Lebensmittel kaufen, deren Zutaten wir erkennen. Wir dürfen morgens nach draußen gehen, statt als erstes auf einen Bildschirm zu schauen. Wir dürfen einen Wald betreten, ohne daraus ein Leistungsprogramm zu machen. Wir dürfen Musik hören, weil sie etwas in unserer Seele berührt. Wir dürfen meditieren, beten, schweigen, lieben, lachen und anderen Menschen helfen, ohne jeden Vorgang vorher in eine meßbare Produktivität übersetzen zu müssen.

Und wir dürfen uns wieder daran erinnern, daß Wohlstand nicht zwangsläufig darin besteht, immer mehr zu besitzen. Die Konsumgesellschaft lebt davon, daß der Mensch sich unvollständig fühlt. Wer innerlich angekommen ist, wird schwerer manipulierbar, weil er nicht mehr jedes künstlich erzeugte Bedürfnis mit einem Kauf beantworten muß.

Darin liegt für mich eine der tiefsten Bedeutungen der Rückkehr zur eigenen Urfrequenz: Je stärker wir mit unserem eigentlichen Wesen verbunden sind, desto weniger benötigen wir das Außen, um uns ständig zu bestätigen.

Wir müssen nicht mehr hinzufügen – wir müssen wieder freilegen

Unsere Urfrequenz ist kein Produkt, kein esoterisches Versprechen und keine Zahl auf einem Meßgerät. Sie ist ein Bild für jene natürliche Ordnung, die unter den Schichten des modernen Lebens noch immer vorhanden ist. Wir haben sie nicht verloren; wir haben sie lediglich überlagert.

Mit künstlichem Licht und künstlichen Rhythmen, mit hochverarbeiteter Nahrung, synthetischen Materialien, permanenter Erreichbarkeit, Reizüberflutung, Konsumdruck und der Vorstellung, daß jede freie Minute gefüllt werden müsse. Der Weg zurück besteht deshalb nicht darin, die moderne Welt vollständig zu verlassen. Er besteht darin, wieder unterscheiden zu lernen, was uns dient und was uns von uns selbst entfernt.

Auch unsere Kleidung gehört zu dieser Entscheidung. Sie ist nicht das größte Gesundheitsproblem unserer Zeit, aber sie ist ein wunderbares Symbol dafür, wie selbstverständlich das Künstliche geworden ist. Ein Stück Polyester allein trennt keinen Menschen von seiner Seele. Doch eine Kultur, die Kunststoff auf der Haut, industriell veränderte Nahrung im Körper, künstliches Licht vor den Augen und pausenlose digitale Reize im Geist zur Normalität erklärt und anschließend jede Sehnsucht nach Natürlichkeit als rückständig belächelt, sollte sich durchaus einige grundlegende Fragen gefallen lassen.

Der Mensch muß zurück ins Gleichgewicht. Zurück zu einer Ernährung, die noch nach Nahrung aussieht. Zurück zu Materialien, deren Ursprung wir verstehen. Zurück zu Sonne und natürlichen Tagesrhythmen, zu Bewegung und Natur, zu echten zwischenmenschlichen Beziehungen und zu einem Geist, der nicht rund um die Uhr von außen besetzt wird. Zurück zu einer Lebensweise, in der Fortschritt wieder Werkzeug ist und nicht Ersatz für das Leben selbst.

Und genau dort beginnt für mich unsere Urfrequenz.

Nicht irgendwo außerhalb von uns, nicht in einem Produkt und nicht in einem neuen Heilsversprechen, sondern in der Wiederannäherung an das, was der Mensch unter all seinen modernen Schichten immer geblieben ist: ein lebendiges Wesen dieser Erde, eingebettet in ihre Rhythmen, abhängig von ihrem Licht, ihrer Nahrung und ihren natürlichen Kreisläufen und ausgestattet mit einer inneren Welt, die weit mehr braucht als Konsum und Funktionieren.

Wer dorthin zurückfindet, muß nicht aus der modernen Welt fliehen. Er beginnt lediglich, wieder selbst zu entscheiden, wieviel von dieser Welt er in seinen Körper, in seinen Geist und letztlich in sein Leben hineinläßt.

Und genau diese Entscheidung könnte zu den wichtigsten Formen moderner Freiheit gehören.

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Über Lebensfunken Redaktion 80 Artikel
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